Yvonne Doebelin, Besitzerin der Double Divide Ranch in Bad Wimpfen, hat schon zahlreiche Pferde von unserer Farm ausgebildet und als Westernreitpferde weitervermittelt. Wir haben ein Interview mit Ihr geführt über Westernreiten und das Arbeiten mit den Pferden.
F: Was unterscheidet das Westernreiten vom Englischreiten?
Wenn man sich die Ursprünge der Reitweisen klarmacht, werden die Unterschiede recht schnell deutlich. Das englische Reiten kommt von Militär und Jagd, Westernreiten ist dagegen eine Arbeitsreitweise. Der Cowboy saß bis zu 14 Stunden im Sattel, da wollte er es bequem haben. Die Hände mussten frei sein, deshalb kommen Westernpferde mit minimalen Hilfen wie Schenkeldruck und Sitz aus. Der Cowboy konnte sich während seiner Arbeit nicht aufs Pferd konzentrieren, dadurch wurde die Ausbildung der Pferde dahingehend optimiert, dass sie selbständig mitarbeiten und so sehr bequem und sicher für den Reiter sind.
F: Du machst an unserem Pferdeverkaufstag eine Gelassenheitsvorführung. Was kann man darunter verstehen?
Gelassenheit bezeichnet die Desensibilisierung des Pferdes auf äußere Reize. Gerade wenn Familien mit Pferden im Gelände unterwegs sind oder Kinder mit Pferden zu tun haben, ist es äußerst wichtig, dass das Pferd nicht schreckhaft ist und durchgeht. Ein gelassenes Pferd ist die beste Unfallversicherung. Darauf arbeitet das Gelassenheitstraining hin.
F: Ein Fluchttier gelassen machen?
Man kann den Fluchtinstinkt eines Pferdes nicht wegtrainieren, aber man kann ihn kontrollierbar machen. Da spielt Training eine Rolle, aber auch Vertrauen, Liebe und Konsequenz. Das beste Beispiel sind die Polizeipferde.
F: Wie bildet man denn bei euch auf der Double Divide Ranch ein Westernpferd aus?
Meine Pferde sollen willig und gerne mit mir arbeiten. Wichtig ist, dass man Charakter und Psyche einschätzt und das Training auf dessen individuellen Stärken abstimmt. Ein motiviertes Pferd lernt leichter, besser und schneller. Am Anfang steht immer der Aufbau eines soliden Grundvertrauens, so bleiben die Pferde auch langfristig gut.
F: Westernpferd – muss es da immer ein Quarter Horse, Paint oder Appaloosa sein?
Grundsätzlich kann man jedes Pferd Westernreiten – allerdings fehlen einigen Pferden die körperlichen Voraussetzungen, um im ernsthaften Turnierbereich mithalten zu können. Dafür sind kompakte, nicht zu große Pferde einfach am besten. Mit Ponys klappt das hervorragend, sie sind wendig, schnell, flexibel und haben die Kraft, die geforderten Manöver durchzuführen. Im Profiturnierbereich sollte man sich besser an die bekannten Westernrassen halten.
F: Welche Disziplinen gibt es denn im Westernreiten?
Da gibt es verschiedene: Reining ist quasi die Dressur des Westernreitens. Beim Trail bewältigt man mit dem Pferd einen Parcours. Beim Pleasure werden die Grundgangarten am losen Zügel so geritten, dass es absolout mühelos aussieht – was es natürlich nicht ist. Beim Western Horsemanship werden Hilfengebung und Haltung des Reiters bewertet. Working Cow horse und Cutting sind Disziplinen, bei denen mit Rindern gearbeitet werden. Es gibt noch mehr – einen guten Überblick findet man in Wikipedia.
F: Ihr macht Reining. Wie genau muss man sich das vorstellen?
Beim Reining muss man ein so genanntes „Pattern“ reiten, das ist eine Abfolge von Manövern, die ausschließlich im Galopp geritten werden. Die einzelnen Manöver sind beispielsweise der Sliding Stop, das Pferd stoppt aus vollem Galopp, so dass die Hinterhand rutscht und die Vorderhand weiterläuft. Spins sind extrem schnelle Wendungen auf der Hinterhand um das innere Bein. Der Rollback ist eine Hinterhandwendung aus dem Galopp. Es müssen schnelle, große und langsame kleine Zirkel geritten werden, wobei die Unterschiede der Zirkel bewertet werden. Dann gibt es noch fliegende Galoppwechsel und das Pferd muss willig, schnell und gerade rückwärts gehen.
F: Woran erkenne ich ein gut ausgebildetes Westernpferd?
Es steht fein an den Hilfen, es läuft willig und selbständig und gelassen sowie konzentriert unter dem Reiter.
F: Auf eurer Ranch werden auch Kurgestüt-Ponys ausgebildet?
Man braucht eine gute Adresse für seinen „Nachwuchs“. Bei dem Kurgestüt Hoher Odenwald bin ich fündig geworden. Die Ponys hier sind ideal geeignet, sei es von Größe, Charakter oder
Aussehen, sei es als reines Freizeit- oder als Freizeitsportpferd.
F: Was schätzt ihr an unseren Ponys?
Sie haben zum einen die Gelassenheit und Flexibilität, alles mitzumachen, zum anderen auch die Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft, um ein Turnierpattern durchzureiten.
Ich habe einige Ponys auf dem Hof, die neue Besitzer haben und die sehr zufrieden mit der Leistung ihrer Pferde sind wie zum Beispiel Charlotte Kölz mit Svala, Nicole Mieth mit Navajo oder Mai-Brit Vivell, die gerade Ihre Pebbles bei mir ausbilden lässt.
Kurgestüt-Ponys werden von uns auch zu Reittherapie und Bambinireiten eingesetzt, weil sie extrem gelassen sind und man ihnen wirklich voll vertrauen kann. Es ist wirklich eine Freude, mit ihnen zu arbeiten – gerade weil sie mit ihrer Intelligenz auch Anforderungen an den Ausbilder und Reiter stellen. Langweilig wird es mit ihnen auf jeden Fall nie!
Vielen Dank Yvonne für das Interview.