Category: Hofleben

Wir müssen nicht spritzen!

Von Jette Zollmann, 21. Mai 2010 09:19

In den letzten Tagen hat es bei uns geregnet und der Regen ist sehr gut für unsere Wiesen und Felder. Es gibt auch die alte Bauernregel:” Ist der Mai kühl und nass, füllt´s dem Bauern Scheun und Faß!”. Und in der Tat hat der Regen unsere Wiesen und Felder wachsen lassen. Aber es wächst nicht nur das Getreide sondern im Getreide wachsen auch Beikräuter die nicht unbedingt erwünscht sind. Um diese Kräuter und Gräser zurückzuhalten wird im Ökolandbau gestriegelt und nicht gespritzt. Ein Striegel kann man sich wie ein Rechen mit ganz vielen kleinen Zinken vorstellen. Die Zinken müssen so eingestellt werden, dass die unerwünschten Pflanzen rausgerissen werden und das Getreide, der Hafer zum Beispiel, stehen bleibt. Man kann natürlich nicht alle unerwünschten Kräuter und Gräser erwischen, aber einen Großteil bekommt man in den Griff. Das Striegeln hat noch einen weiteren Nebeneffekt. Durch die Zinken wird auch die Haferpflanze leicht verletzt. Diese kleine Verletzung regt die Pflanze an weitere Triebe zu bilden. Es ist wichtig, dass der Hafer schnell wächst und die Fläche bedeckt, denn dann haben die unerwüschten Beikräuter weniger Chance zu wachsen.

Gleichzeitig mit dem Striegel bringen wir die Untersaat aus. Die Untersaat ist bei uns Kleegras. Während jetzt der Hafer nach oben wächst kann in Bodennähe langsam unsere Untersaat mit Gräseren, Rotklee und Luzerne wachsen. Später wenn der Hafer geerntet wird, haben wir einen Grünen Acker, der die nächsten Jahre als Futter und Weide für unsere Pferde dient.

Besuch von einer Journalistin aus Kasachstan

Von Jette Zollmann, 12. April 2010 09:45

Mein Name ist Olga Kornejewa, und ich komme aus diesem Land, woraus auch das Getränk Kumys kommt – aus Kasachstan. Ich kann nicht sagen, dass ich zu hause jeden Tag Kumys trinke, aber ab und zu, besonders wenn man aufs Land fährt, trinke ich schon dieses kasachische traditionelle Getränk aus der Stutenmilch. Es wird in Kasachstan besonders gut beim heissen sommerlichen Wetter getrunken. So frisch, so beruhigend…
Über einen Bauer, der in Deutschland Kumys produziert, habe ich schon in Kasachstan gehört. Es scheint mir so, dass ich ein mal im kasachischen Fernsehen einen Bericht darüber gesehen habe. Und jetzt, als ich für ein Praktikum beim Radio “Deutsche Welle” nach Deutschland gekommen bin, hat man entschieden, dass ich das Kurgestüt in Waldbrunn unbedingt besuchen soll – um selbst deutschen Kumys zu probieren, den Produzent kennen zu lernen und darüber zu berichten. 
Das war ein glücklicher Tag – ab Morgens früh, als ich meinen Zug in Richtung Heidelberg genommen habe, und bis Nachmittags, bis hin zur Rückfahrt mit einem der seltener Busse in Waldbrunn (Ortsteil Muelben). Alles hat ganz gut geklappt. Mein erstes Glück war, dass ich nach dem fast 4-Stündigen Weg von Bonn bis Mülben es ganz rechtzeitig geschafft habe, bei der traditionellen Führung am Donnerstag um 11 Uhr dabei zu sein. Es gab da ziemlich viele Leute und auch mit Kindern – ich habe mich darüber sehr gefreut, weil für die Fotos für meine Reportage das bestimmt gut war. Das Publikum hat zuerst die Stutenmilch und den Kumys probiert, und einen kleinen Vortrag darüber von Jette Zollmann gehört. Und dann sind wir alle in einen Raum gegangen, wo gemolken wird. Es war spannend! Wie haben den ganzen Prozess sehr nah miterlebt. Hier hat uns Jette Zollmann noch viel Interessantes erzählt – zum Beislpiel, dass die Stuten sehr empfindlich sind, und wenn es beim Melken etwas ihnen nicht gefällt, dann kommt einfach keine Milch mehr, dann muss man noch bis zum nächsten Melken warten… Sie sind keine Maschinen für die Milchproduktion, sie sind lebendige Wesen. Das darf man nicht vergessen.
Danach haben wir noch die hübschen Fohlen gesehen. Für einige der Führungsteilnehmer war es wahrscheinlich das erste mal, dass sie so nah bei sich die Pferde gesehen haben. Nicht nur die Kinder, aber auch Erwachsene waren von dieser Unterhaltung mit der Natur offensichtlich begeistert. Wenn man danach wieder eine Probe von der Stutenmilch und dem Kumys gemacht hat, dann hat man bestimmt schon ein bisschen anderes Gefühl dafür bekommen.
Übrigens, was den Geschmak des deutschen Kumyses angeht. Ich sollte sagen, der hat mir sehr gut gefallen. Es scheint mir sehr ähnlich dem kasachischen Kumys zu sein, wahrscheinlich ein bisschen mehr raffiniert, sauberer, ohne diesem bitteren Beigeschmack von unseren kasachischen Steppenkräutern… So ungefähr.
In einem Interview hat mir Hans Zollmann gesagt, dass er das Produkt Stutenmilch wie ein “sehr wertvolle Frucht” schätzt, und wenn man diese Frucht bekommt, muss man auch “den Baum”, die Stuten also, schonen und achten. Deswegen hat man alles so rein ökologisch und vernünftig beim Kurgestüt organisiert, dass die Tiere sich wohl fühlen und gar nicht im schlechtem Sinne ausgenuzt werden. Ein entsprechendes weises Verhältnis zu Tiere fehlt uns zur Zeit in Kasachstan sehr, meiner Meinung nach. Und ich freue mich sehr, dass die Kontakte zwischen der Kurgestüt von Herrn Zollman und den kasachischen Kumysproduzenten sich erweitern werden. Dann kann man von einander viel lernen, und nicht nur die Technologien austauschen, aber auch die Philosophie der ökologischen Landwirschaft übernehmen. Hoffentlich.
Ich wünsche der netten Familie Zollmann viel Erfolg bei ihrer Arbeit. Und, wer weiss, wahrscheinlich sehen wir uns nächstes mal schon in Kasachstan?     

Jetzt gehts raus zum Säen

Von Jette Zollmann, 9. April 2010 11:55


Durch die letzten Sonnentage ist es nun auf unseren Feldern abgetrocknet und wir können unseren Hafer säen. Da wir als Biobetrieb kein Futter zukaufen benötigen wir den Hafer als Futter für unsere Pferde. Unser Landwirtschaftstechniker Marcus ist für die Aussaat zuständig. Zunächst muss er das Saatgut von Anhänger in die Sämaschine bringen. Dann geht es ab aufs Feld.


Der Acker wurde im Winter gepflügt, das nennt man auch Winterfurche. Die Winterfurche hat den Zweck die Beikräuter so gering wie möglich zu halten und ein feines Saatbett im Frühjahr zu erhalten.

Sie funktioniert folgendermaßen: Durch das Pflügen werden die oberen 10 cm des Bodens nach unten gedreht. Dadurch kommen die Samen anderer unerwünschter Pflanzen in 10 cm tiefere Schichten, bekommen kein Licht und können nicht keimen. Zusätzlich werden die großen Erdbrocken, auch Schollen genannt, durch den Frost zerkleinert. Die Schollen sind mit Wasser durchzogen, das Wasser friert und dehnt sich aus. Durch das Ausdehenen zerfällt der Schollen in kleine Teile.

Um ein feines Saatbett zu erhalten hat unser Schlepper eine Walze vorne und eine Kreiselegge hinten. Damit bekommen wir ein gleichmäßiges Saatbett.
Unsere Sämaschine wurde von Marcus so eingestellt das sie jetzt 140 kg Hafer pro Hektar in das Saatbett einsät.

Die nächsten Tage und Wochen müssen wir nun beobachten wie der Hafer aufläuft, also keimt und wächst, um dann weitere Maßnahmen zu planen.

Frühlingsgefühle bei unseren Fohlen

Von Jette Zollmann, 31. März 2010 13:38

Gestern habe ich den kurzen Sonnenschein genutzt um unsere Fohlen beim Toben zu filmen.
Die Stuten werden gerade gemolken, deshalb sind die Fohlen alleine auf der Koppel. Es ist immer wieder schön anzuschauen wie ausgelassen die Kleinen über die Weide galoppieren. Komentiert wird das Schauspiel von unseren zwei kleinen Damen Inga und Vroni.

Viel Spass:

Mein Arbeitstag als Melkstute

Von Jette Zollmann, 15. Februar 2010 21:06

 

Hallo ich bin Melkstute Eule. Ich wurde vor 11 Jahren auf dem Kurgestüt geboren. Meine Mutter ist eine Haflingerstute und mein Vater ist Bodo ein Reitponyhengst.
Ich wollte Euch einen Tag in meinem Leben beschreiben.

Es ist noch dunkel, aber wir warten schon alle. Endlich, das Licht geht an, bald gibt es was zu fressen. Ich versuche mich ganz vor an die Tür zu stellen, damit ich auch am meisten Hafer abbekomme. Wir drängeln alle immer gerne und stellen uns dann ganz dicht um den Futtertisch herum. Unsere Fohlen gehen jetzt in den Kindergarten. Zuerst bekommen wir Hafer und dann Heu und Gras.

Wenn wir fertig mit fressen sind laufen wir alle in den Wartebereich vor den Melkstand. Ich höre schon wie die Melkmaschine an geht und die Tore auf und zu gehen. Es können immer nur 4 Stuten in den Melkbereich, deshalb müssen wir erst einmal warten. Die rechte Melkbox ist frei, schnell laufe ich rein. Während ich gemütlich Hafer fresse wird mein Euter kontrolliert, gereinigt und anmassiert. Dann wird das Melkgeschirr angehängt. Ich lasse jetzt meine Milch laufen. Nach ca. 2 Minuten bin ich schon fertig und gehe aus dem Melkstand in unsern Laufstall. Wenn alle fertig gemolken sind bekommen wir wieder Futter.

Später werden wir nochmal gemolken und dann geht’s wieder ab zu unseren Fohlen. Die warten schon alle auf uns. Jetzt wird erstmal getrunken. Wenn alle Fohlen fertig getrunken haben geht’s auf die Weide. Hier können wir uns alle richtig austoben. Abends kommen wir wieder in den Stall und schlafen, denn morgen haben wir wieder einen wichtigen Tag vor uns.

Es schneit und schneit

Von Jette Zollmann, 3. Februar 2010 09:58

Wir wissen gar nicht mehr wohin mit dem Schnee. Unsere Pferde schauen jetzt auch lieber vom Stall aus zu was draußen passiert. Der Wetterbericht meldet  leider Regen für die nächsten Tage, hoffentlich gibt es kein Hochwasser. Trotz Schnee geht die Arbeit bei uns weiter. Die Pferde müssen gefüttert werden, die Ställe werden ausgemistet und die Liegeflächen werden mit frischem Stroh eingestreut. Die Melkstuten werden heute zwei Mal gemolken um 11 Uhr und um 14 Uhr. Die Stutenmilch wird sofort verarbeitet. Heute wird Kumys angesetzt und die restliche Milch wird in Beutel abgefüllt und mit unserem Schockfroster tiefgefroren.

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20 Jahre bei uns

Von Jette Zollmann, 19. Januar 2010 19:10

Heute feiert Gerlinde Hasenöhrl 20 Jahre bei uns im Kurgestüt.  Morgens kommt Sie immer mit dem Fahrad zur Arbeit egal welches Wetter ist außer, wenn ganz viel Schnee liegt dann muss Sie auch mal zu Fuß kommen. Frisch gehalten wird Gerlinde durch tägliches gefrieren in unserm ‘Gefrierhaus wenn sie unsere Stutenmilchbeutel einlagert und dann zum Auftauen ab in der Gärraum bei 30 Grad den Kumys rühren. Wenn és im Hofladen klingelt springt sie so schnell sie kann, damit keiner warten muss und berät ausführlich über Stutenmilch.

Angefangen hat alles vor 20 Jahren. Gerlinde wollte was neues erleben und da hatten wir einen Arbeitsplatz bei uns in der Milchverarbeitung frei. Frau Wieland setzte Gerlinde gleich an die Abfüllmaschine: ” Setz dich mal noh und füll ab” und schon hatte Gerlinde einen neuen Arbeitsplatz. Gleich in der ersten Woche feierte Frau Wieland ihren 50.Geburstag und Gerlinde musste alleine in der Milchküche arbeiten. “Ich konnte in der Nacht nicht schlafen so aufgeregt war ich, aber Frau Wieland sagte: “dass packst du”. Es hat auch alles gut funktioniert. Mittlerweile ist Gerlinde unsere Gute Seele in der Milchverarbeitung und wir wünschen Ihr alles Gute und freuen uns auf eine weitere tolle Zusammenarbeit.

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